Ganz ehrlich: Ich versteh die ganze Aufregung um den Vatikan nicht. Dessen rückwärtsgewandtes, latent bis offen antisemitisches, frauenfeindliches und homophobes, reaktionäres und absolutistisches Weltbild ist doch nun wirklich hinreichend bekannt. Da wird von schlechtem Krisenmanagement geschrieben, als sei der Papst eine Bank. Noch vor wenigen Jahren wurde der Hype um die katholische Kirche z.B. beim Weltjugendtag damit begründet, dass der Papst eben der Fels in der Brandung sei, dass das konservative eben genau das sei, was die Gläubigen wollten und was den Katholizismus zu solch einem Erfolgsmodell macht.
Alles, was es im Umfeld dieses aktuellen “Skandals” zu wissen gibt, ist doch längst bekannt: Die Macht ultrareaktionärer Kirchenmänner im Vatikan. Der bestenfalls naive, schlimmstenfalls respektlose Umgang mit anderen Religionen wie in Regensburg oder die Karfreitags-Fürbitte.
Mich erinnert der Umgang mit dem Papst an den mit Russland: Solange einem der Chauvinismus nicht zu Nahe kommt, sondern sich gegen die “Anderen” richtet, handelt es sich um “lupenreine Demokraten”. Nicht aber die Exzesse sind das Problem, sondern die Methode dahinter. Das Nicht-Wissen-Wollen, der Anspruch unfehlbar zu sein oder zumindest etwas ganz Besonderes, das Hinhalten, die Machtspielchen, das Vorgehen gegen KritikerInnen. Und alles im Namen einer Einheit: der einigen Kirche, des einigen Russlands.
Wer daran etwas ändern will, darf nicht immer erst protestieren, wenn der Eklat schon da ist. Sondern muss auch an ganz normalen Tagen sagen, wie es ist: Dass nämlich Aufklärung, Freiheit und Menschenrechte höhere Güter sind als Gehorsam, Glauben und Gemeinschaft.
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